Nikon Z6 vs. Nikon D850 – Spiegelloses System im Praxistest

Nikon Z6 vs. Nikon D850 – Spiegelloses System im Praxistest

Nikon Z6 vs. D850
Nikon Z6 vs. D850

Bereits im Dezember 2017 versuchte mein Fachhändler mich für spiegellose Systeme zu begeistern.

Doch ich hatte mich „klassisch“ für den Kauf der Nikon D850 entschieden. Denn der Blick durch den Sucher einer SonyAlpha war mir zu träge und zu pixelig im Vergleich zum gewohnten Spiegelbild. Die 850 mit angesetztem Hochformatgriff erfüllte sowohl in Leistung und Handling als auch in Abbildungsleistung und Qualität alle Erwartungen.

Darum habe ich die Ankündigung von Nikon zur Z-Serie eher skeptisch betrachtet.

Der erste Eindruck der Z6

Rückansicht Z6

Im Februar 2019 bekam ich von Nikon NPS eine Z6 mit FTZ-Adapter und den Z-Objektiven 35mm, 50mm und dem Zoom 24-70mm/f4 zum Testen. Der erste Eindruck war besser als erwartet. Ein heller, klarer Sucher und kaum Verzögerungen beim Schwenken. In der Praxis bei Aussenaufnahmen sehr praktisch, dass man die Aufnahmen im Sucher statt nur auf dem Display kontrollieren kann. Aber das Handling konnte nicht richtig überzeugen, da Gewicht und Größe nicht optimal sind. Positiv wiederum die Möglichkeit komplett lautlos auszulösen. Zudem noch in hoher Serienbildgeschwindigkeit. Trotzdem konnte ich mich nicht zu einem Systemwechsel begeistern, da für mich damals die Nachteile obsiegten. Nach den Nikon Days im Frühjahr in Frankfurt und informativen Gesprächen mit den NPS Beratern, speziell zu weiteren Objektiven und Vorteilen des Z-Systems, habe ich mich im Mai zum Kauf eines Gehäuses mit FTZ-Adapter entschlossen.

Der Vergleich zur D850

Rückansicht D850

Die Z6 gehört zu den Spiegellosen mit Wechseloptik, während die D850 in der Gruppe der Profi DSLRs anzusiedeln ist.

Hier sind beide Kameras im direkten Größenvergleich – für den besseren Eindruck die 850 ohne angesetzten Hochformatgriff, denn für das Z System ist derzeit(Stand 07/19) kein ähnlicher Griff verfügbar.

Größenvergleich - Nikon Z6 vs. D850
Größenvergleich – Nikon Z6 vs. D850

Beide haben einen Vollformat Sensor. Die Z6 mit 24 Megapixel schafft 12 Bilder pro Sekunde, die D850 mit 46 Megapixel 7 Bilder. Auch im nutzbaren ISO Bereich hat die Z6 leicht die Nase vorn bei bis zu 51200. Beide haben die Möglichkeit der WiFi-Nutzung und die Kameras lassen sich sehr gut über die SnapBridge-App steuern. Mit 675 Gramm ist die Spiegellose 340 Gramm leichter als die DSLR. Die Z-Kameras haben nur einen Kartenslot für eine XQD-Speicherkarte entgegen der D850 mit XQD- und SD-Karte.

Z6 XQD Kartenfach - Nikon Z6 vs. D850

D850 XQD/SD Kartenfach - Nikon Z6 vs. D850

Der elektronische Sucher hat 3,68 Mio.Pixel und, genau wie der optische Sucher in der D850, 100% Bildfeldabdeckung. Die Nikon Z6 hat einen eigenen Bildstabilisator, während die D850 auf VR-Objektive angewiesen ist, um längere Verschlusszeiten aus der Hand halten zu können. Der große Vorteil des klassischen Gehäuses ist aber der Stromverbrauch. Durch den Hochformatgriff mit zusätzlichem Akku EN-EL 18 aus der Nikon D4s hält die Kamera gefühlt 6-7 mal länger als ein Akku in der Z6. Dies ist auch derzeit, neben dem Handling, der große Minuspunkt des Z-Systems. Aber ganz klar, dass viel Elektronik viel Strom braucht. Da muss man auf die baldige Einführung eines anschraubaren Griffs inkl. Akkuerweiterung hoffen. Die Auswahl an Objektiven ist Dank des FTZ-Adapters bei beiden Gehäusen identisch groß.

Die Z6 im Alltag

Im ersten Einsatz auf einer mehrtägigen Konferenz in Barcelona zur Fotodokumentation. Das Handling und die Bedienung kommen noch nicht automatisch. Es ist eben, auch wenn es sich nach Nikon anfühlt, ein anderes System. Schade, dass der Z6 keine beleuchteten Bedienelemente spendiert wurden. Positiv muss man den Sucher erwähnen, der immer das „belichtete Ergebnis“ vorab anzeigt. You see what you get – sehr praktisch zur Einschätzung des gestalteten Motivs. Der Autofokus kommt nicht an die Leistung der D850 heran. Ist aber Dank der höheren Anzahl an Messfeldern und der Möglichkeit das Feld viel weiter in die Ecken legen zu können konkurrenzfähig.

Das Auslösegeräusch ist angenehm und dezent, so dass man die „stille Auslösung“ nur für leise Umgebungen einsetzen muss. Denn durch den elektronischen Verschluss kann es bei ungünstigen Lichtverhältnissen zu Einbußen in der Bildqualität führen. Bildqualität ist das Stichwort in dem die Z punkten kann. Rauscharme Bilder in allen ISO-Bereichen mit hohem Dynamikumfang.

Nikon Z6 vs. Nikon D850

Die Z6 hat viele Stärken, aber auch klare Schwächen. Die gute Bildqualität im hohen ISO-Bereich, die Schnelligkeit und der Sucher sind Stärken. Die größte Schwäche ist die Ergonomie, das Handling und der hohe Stromverbrauch. Durch den größeren Bajonettdurchmesser und den geringeren Abstand zum Sensor sind Bilder höherer Abbildungsleistung möglich.

Nikon F Bajonett- Nikon Z6 vs. D850

Nikon Z Bajonett - Nikon Z6 vs. D850

Gewöhnt man sich an das Handling und an das neue System ist es eine Kamera die viel Spaß macht und neue Möglichkeiten im Arbeitsalltag bietet.

Sicher kein Allroundgerät für alle Situationen. Für Reportage, Event, Wedding ein ganz klares JA. Wenn man genug Strom dabei hat. Aber für Portrait, Studio-/Imageaufnahmen sehe ich die DSLR-Gehäuse klar im Vorteil. Jeder muss sich da sein eigenes Urteil bilden.

Feedback, Fragen ?!? ==> foto@stefan-effner.de

…weitere Impressionen von Fotografie Stefan Effner und Infos zu den Kameras unter Nikon.de

6 Gedanken zu „Nikon Z6 vs. Nikon D850 – Spiegelloses System im Praxistest

  1. Hallo,
    die Aussage der AF der 850 ist deutlich besser, finde ich spannend, da gerade das Thema AF für mich ein Punkt wäre zur Z zu greifen. Ich habe eine D800. Würde mich freuen, wenn du es etwas erläutern würdest. Danke

    1. Hallo und besten Dank für die Nachfrage zum AF der beiden Kameras …bei den ersten Einsätzen war die Z6 meiner Einschätzung nach bei gleichen Einsatzbedingungen geringfügig langsamer und nicht ganz so akkurat wie die 850 – aber wenn man mit der FTR Methode(Focus Then Recompse) fokussiert, kann es häufiger zu falschen Schärfepunkten bei der DSLR führen. Da man bei der Z6 die Messpunkte weiter nach außen im Messfeld setzen kann, hat die Spiegellose Vorteile. Gerade bei der Verwendung ohne FTZ-Adapter und mit dem Z 24-70mm/2.8 kann die Z6 die Probleme des Front-/Backfocus präziser lösen. Vom Handling liegt mir trotzdem die 850 in der AF-Anwendung eher…letztendlich kommt es auf Nutzer und Situation an. Mit beiden Gehäusen lassen sich „TopScharfeErgebnisse“ erzielen …bei Fragen fragen 🙂

  2. Hallo Stefan,
    Dank Dir für die technische Analyse der beiden Kameras. Deine klaren Aussagen beeindrucken. Ich „quäl“ mich jetzt seit Wochen um eine Kaufentscheidung der Z6. Derzeit fotografiere ich mit meiner Diva, der D800 und meiner über alles geschätzten, wenn auch schwergewichtigen D5. Die kommt dennoch mit auf jede große Reise. Da vermehrt Streetfotografie auf meinem Wunschzettel steht, überleg ich mir, ob es Sinn macht, die D800 dafür zu ersetzen. Ich verspreche mir ein schnelleres, leiseres und vor allem „toleranteres“ System bei längeren Belichtungszeiten und höheren ISO Werten aus der Hand. Da Deine D850 mit einem noch mächtigeren Sensor bestückt ist, kannst Du mir hier vielleicht einen Tipp geben. Es ist eine richtig schwere Entscheidung, ob der Vorteil den kompletten Systemwechsel aufwiegt.
    Meine Entscheidung wird nicht nur technisch, sondern auch emotional werden müssen.
    Ganz herzlichen Dank
    Edmund

    1. Hallo Edmund und viele Grüße …
      … auch bei mir war die Entscheidung sehr emotional. Weg von den gewohnten „einstelligen D Gehäusen“ zu einer kleinen Z 🙂
      Aber ich muss sagen, dass die Spiegellose ihre Berechtigung und ihre Vorteile hat. Es braucht Zeit zur Um- und Eingewöhnung, doch wenn das Handling mit der Z „flüssiger, intuitiver“ läuft ist sie eine gute Unterstützung. Gerade für die, von Dir angesprochene Streetfotografie ist das kleinere Gehäuse, der stille Auslöser, die Bildgeschwindigkeit, die ISO Werte ein Riesenvorteil. Und ein kompletter Systemwechsel ist es ja auch nicht 🙂 Mit dem Adapter lassen sich viele Optiken reibungslos nutzen – in gewohnter Qualität. Ich nehme die Z nicht für alle Jobs, aber sie ist immer häufiger die Hauptkamera auf Termin. Gerade in Verbindung mit dem Z 24-70/2.8 empfinde ich die Aufnahmen „schärfer“ als mit der D850.
      Letztendlich geht nur probieren über studieren …und am Anfang wird man auch über die negativen Aspekte stolpern – aber ich bin mir sicher die Z6 ist eine Bereicherung und gute Ergänzung. Sie kann keine D5 ersetzen, doch neue, andere Möglichkeiten, Techniken eröffnen.
      Bei Fragen fragen 🙂

      P.S.: …und Danke nochmals für Dein feedback zur Analyse 🙂

  3. Hi Stefan. Deine Erfahrungen mit der Z6 decken sich so ziemlich mit meinen. Ich liebe diese Kamera, gerade für Reportagen und Hochzeiten. Einziger Minuspunkt ist halt der eine Karten Slot. Hier lasse ich aber bei den wichtigen Momenten ein Backup auf mein Handy laufen. JPG in kleinster Auflösung und fertig.
    Bei Businessfotos nutze ich aber auch noch lieber meine D750 oder D800. Sieht auch einfach noch professioneller aus. 😉

    1. Hallo David und Danke für Dein Feedback …
      … mmhhhh, den Kartenslot empfand ich bisher nicht als negativ – bei mir war es die Größe und das „Handling“ …aber seit dem der BatteryPack angeschraubt ist, fühlt sie sich wie eine „echte Kamera“ an…:-) denn ich gebe Dir recht, manchmal muss es professioneller aussehen und sich danach anfühlen…
      ..schöne Zeit und GUT Licht 🙂

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